VIATU

 

 

* 20. Dezember 1998 im Basler Zoo/Schweiz geboren

und von seinen Eltern in der Gorilla-Gruppe aufgezogen.

Im Oktober 2008 wechselte er nach Frankfurt am Main.

 

Schon in Basel erregte VIATU Aufsehen. Am 31.05.2005 kam im Basler Zoo ein kleines Mädchen zur Welt. - CHELEWA

Allerdings stellte man fest, dass nicht der Silberrücken der Gruppe der Vater der Kleinen ist, sondern der Schwarzrücken VIATU. Das galt als Sensation, denn es gelingt äußerst selten, dass ein Schwarzrücken an dem Silberrücken vorbei "zum Zug" kommt.

 

Erneut für einen Aufschrei sorgte VIATU am 5. August 2009.

RUBY (B´WINDI), übrigens die Tochter von GORGO und BEBE (sie wurde jedoch mit der Hand aufgezogen), brachte im Frankfurter Zoo einen Jungen zur Welt. Der erste Nachwuchs der noch jungen Gorilladame. Doch VIATU biss den Jungen am Tage seiner Geburt tot. Er war für eine Vaterschaft einfach noch nicht bereit. Seine Bindung in der Frankfurter Gorillagruppe stand auf noch sehr wackligen Beinen.

Traurig an der Geschichte ist, dass RUBY eine Woche später,

am 12. August 2009 im Alter von nicht einmal 12 Jahren verstarb. Allerdings laut Frankfurter Zoo stand ihr Tod nicht mit der Geburt ihres Nachwuchses im Zusammenhang.

 

VIATU lebt derzeit mit 4 Damen zusammen:

 

JULCHEN (JULE), einem Wildfang, die 1964 nach Frankfurt kam.

 

DIAN, die seit 1995 in Frankfurt lebt

und im Zoo Arnheim 1989 geboren wurde.

 

REBECCA, die 1982 im Krefelder Zoo geboren wurde

und seit 1990 in Frankfurt ist.

 

SHIRA, die am 28.8.2004 in Stuttgart geboren wurde

und seit Oktober 2011 in Frankfurt.

 

 

JULCHEN brachte ihr letztes Kind 1980 zur Welt. Sie gefällt sich vor allem in der Rolle der Oma. Auf ihr darf der Nachwuchs auch schon mal herumturnen. VIATU akzeptiert sie und er soll sogar versucht haben, sie zu decken.

 

Als größte Überraschung in dieser Gruppe stellte sich DIAN heraus, die kurz vor Weihnachten 2010 ihr erstes Kind zur Welt brachte. Sie erwies sich als sehr aufmerksame und liebevolle Mutter. Ihr Sohn QUEMBO wurde schnell zum Liebling der Zoobesucher. In der Entwicklung ist QUEMBO anderen Gorillakindern weit voraus.

 

REBECCA wurde bereits mit 7 Mal Mutter. Sie war die Lieblingsfrau von MATZE, der in Frankfurt als Legende bezeichnet wird. Ihre Jüngsten KABULI und NASIBU (FRITZ) verließen den Zoo vorsorglich, da VIATU sie niemals akzeptiert hätte.

REBECCA wurde sehr schnell von VIATU schwanger und brachte im September/Oktober 2010 ein Baby zur Welt. Eine Todgeburt. Sie führte das Baby mehrere Tage noch bei sich, säuberte es und legte es erst spät ab. Keiner in der Gruppe versuchte ihr „das Ding“ wegzunehmen. Es hatte sogar den Anschein, dass vor allem VIATU mit ihr trauerte. Der Tod des Babys hatte dieses Mal auch nichts mit ihm zu tun. Es war (mir) offensichtlich, dass es nicht überlebensfähig zur Welt kam. REBECCA suchte immer wieder die Nähe ihres Partners.

Dem Frankfurter Zoo gebührt hier ein großes Lob. Trotz dieser Rückschläge hielt man an VIATU fest. Im Juli 2012 wurden VIATU und REBECCA Eltern einer bildschönen Tochter namens SAWA.

 

Im September 2011 gesellte zu den Frankfurtern die inzwischen fast 10jährige SHIRA aus dem Stuttgarter Zoo. Im Oktober 2013 stellte sich auch hier bereits Nachwuchs ein. SHIRA bekam einen Jungen. TANDU verstarb jedoch Ende April 2014 an einer Shigellen-Infektion. Alle anderen Gorillas wurden vorsorglich mit einem Antibiotikum behandelt. SHIRA trug den toten TANDU ein paar Tage mit sich herum, legte ihn dann freiwillig ab. 

 

Im Oktober 2010 besuchte ich VIATU zum 1. Mal. Er gefiel mir sofort. Er ist ein sehr schönes Tier, das zu dieser Zeit fast schon einem „Berggorilla“ ein wenig ähnlich sah. Sehr dichtes und schwarzes Fell "verführte dazu". Inzwischen ist VIATU zu einem stattlichen Silberrücken herangewachsen. Auffällig an ihm ist sein Familiensinn. Nicht nur dass er sexuelles Interesse an jeder Gorilladame zeigt, er hat sich zudem auch als absolutes Vorbild für seinen Nachwuchs herausgestellt. Er sichert seine Familie sehr nach außen hin ab. Er spielt mit seinem Nachwuchs und geht dabei sehr zärtlich mit ihnen um.

 

VIATU ist auch der Initiator dafür, dass ich mich für Gorillas in Zoos zu interessieren begann. Ich mochte schon immer Gorillas, auch als kleines Kind. Aber als ich sah, wie er mit REBECCA 2010 um ein totes Baby trauerte (ich möchte durchaus den Ausdruck verwenden), wollte ich einfach alles über die „sanften Wesen“ in meiner Welt wissen. 


Text/Fotos: Heike M. Meyer

 Aktualisiert am 14. Mai 2014