GRUNDRECHTE FÜR MENSCHENAFFEN

 

Bereits 1994 erschien ein Grundlagenbuch des „Great Ape Projektes“. Leider gab es dabei einen Übersetzungsfehler ins Deutsche. Immer wieder wird behauptet, dass man „Menschenrechte für Menschenaffen“ fordern würde. Paola Cavalieri und Peter Singer, die das Buch „Equalitiy Beyond Humanity“ im Goldmann-Verlag heraus brachten, hatten dies nicht im Sinn.

 

Das Leben ist zu schützen!

Alle „Menschenaffen“ sind akut vom Aussterben bedroht.

Vor allem wir Menschen zerstören unaufhörlich den Lebensraum von Primaten!

Extrem ist dies im Südostasiatischen Raum zu sehen, wo der Orang-Utan lebt. Die IUCN spricht von einer Bestandsgröße von nur noch etwa 6600 Individuen und stuft diese Tiere als „vom Aussterben bedroht“ ein.

Der Mensch dringt immer mehr "ohne Rücksicht auf Verluste" in die Gebiete der Primaten ein.

Bei den Orang-Utans ist es die vor allem die Gewinnung von Palmöl, in Afrika bei den Gorillas die Suche nach Coltan oder Diamanten. die die Menschen voran treiben. 

Allerdings sterben die Tiere nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Immer mehr Menschen wollen diese Tiere in den Zoos sehen oder aber als Haustiere in den Armen halten. Dabei sind für die Tierfänger nur die Jungtiere interessant. Bei dieser Jagd wurden/werden ganze Familienverbände getötet um an ein Jungtier zu gelangen.

 

Obwohl wir Primaten als Menschenaffen bezeichnen, behandeln wir diese bei weitem nicht als unseres Gleichen. In Afrika steht „Bushmeat“ (Affenfleisch) noch immer auf dem Speiseplan. Kann man dies der afrikanischen Bevölkerung zur Last legen. Ich bin der Meinung – „nein“. Gerade wir in Europa erheben unseren Zeigefinger und verurteilen dies. Dabei sollte uns bewusst sein, dass wir mit vielen Tieren in unseren Schlachthöfen noch viel schlimmer umgehen. Wir haben angefangen uns „ferne Welten“ und vor allem exotische Tiere gleich um die Ecke zu halten. Wir sollten uns bewusst machen, dass unzählige Tiere dabei ihr Leben ließen. 

Wir sollten uns klar machen, dass alle Primaten in den Zoos auf Wildfänge zurückzuführen sind.

Das „Great Ape Projekt“ greift genau dies auf und fordert aus diesem Grund den Schutz der individuellen Freiheit.

 

Der 1. Gorilla in den deutschen Zoos war BOBBY in Berlin. Er wurde ca. 1926 in Afrika geboren und kam über einen Tierhändler 1928 im Alter von 2 Jahren nach Berlin. BOBBY starb am 1. August 1935 an einer Blinddarmentzündung. Nach einer Obduktion stellte man fest, dass die Hypophyse – eine wichtige Drüse im Gehirn – den Gorilla nie hat erwachsen werden lassen. BOBBY wurde präpariert und man kann ihn noch heute im Museum für Naturkunde im Berlin sehen. Eine Statue vor dem Berliner Affenhaus zeigt ihn.

 

BOBBY war also nie richtig ausgewachsen. In den Medien schreibt man: „Unter der Obhut von Pfleger August Liebetreu entwickelte sich BOBBY zu einem ansehnlichen, ausgewachsenen Gorilla mit einem Körpergewicht von 262 Kilogramm.“ Ohne Zweifel hatte man den Gorilla falsch ernährt.

Und was hat man in all den Jahren gelernt? – Noch heute würden die meisten Menschen Gorillas mit Bananen und süßen Obst ernähren.

 

Viele Primaten sind noch heute in den Zoos schwer traumatisiert. Einige weisen Verhaltensstörungen auf. Man weigert sich vehement den Tieren eine Persönlichkeit anzuerkennen. Wann immer ein Tier nicht in das Konzept eines Zoos passt, ringt man um fadenscheinige Erklärungen oder „versteckt sich hinter dem Begriff der Wissenschaft“.

Ich bin der Meinung, dass wir Menschen "menschlicher" werden sollten und Primaten sollten wieder "Primaten" sein dürfen.

Ziel muss es sein, dass Menschenaffen nicht mehr abgeschoben werden oder über Jahre oder Monate allein leben - womöglich noch in Sichtweite für die Artgenossen. Das ist in meinen Augen einfach „unmenschlich“. Was haben uns die Tiere getan, damit sie dies verdient haben? Nur weil sie nicht in unser Konzept passen oder "süßen Nachwuchs" produzieren?

 

Einigen Tieren entzieht man regelgerecht ihrer Würde und degradiert sie zur Sache. Sie haben keine Rechte und nur die Pflicht uns Menschen zu unterhalten.

Vor allem in Deutschland weigert man sich noch immer reine Männergruppen bei den Gorillas zu präsentieren. Tiere, die nicht ins Zuchtkonzept passen werden in andere Zoos verfrachtet. Nicht selten ohne sie vorher zu sterilisieren oder zu kastrieren.

In vielen Zoos werden Primaten  in viel zu engen Käfigen zur Schau gestellt. Zum Beispiel im Zoo Straubing bei den Schimpansen. Der Zoo rechtfertigt sich damit, dass die Tiere die Wahl hätten auf ein Außengelände zu wechseln. Wenn man aber tagtäglich mit Süßigkeiten von seitens der Zoobesucher beworfen wird und als Schimpanse gelernt hat den Menschen aus der Hand zu fressen, erübrigt sich die These nach irgendeiner Wahl. Einige Schimpansen sind schon auf Außengehegen in den Zoos ums Leben gekommen, weil sie wegen den Verlockungen seitens vieler Zoobesucher erlegen sind. So vertrat man bis vor kurzem in den Zoos die These, dass Primaten recht wenig für das Element Wasser übrig hätten. Da wir Zoobesucher gerne die Tiere ohne Barrieren sehen möchten, ging man dazu über als Grenze zwischen Tier und Mensch Wassergräben zu ziehen. Dies kostete einigen Tieren das Leben. Primaten können nicht schwimmen, wenn es ihnen nicht gelernt wird. Primaten lieben es aber im Wasser zu spielen und wissen nicht, welche Gefahr das Wasser mit sich bringt.

 

Das „Great Ape Projekt“ bietet durchaus Lösungen an. Man könne die Tiere auf Inseln zusammenfassen oder in Naturreservaten ansiedeln. Dort könnte der Mensch notfalls eingreifen. Falsch ist die Aussage, dass das „Great Ape Projekt“ die Haltung in Menschenhand grundsätzlich ablehnt.

Hier gehe ich mit dem „Great Ape Projekt“ vollkommen konform. Die Tiere müssten selbst entscheiden können, ob sie mit uns Menschen auf Tuchfühlung gehen wollen oder eben nicht. Dies bedeutet, den Tieren grundlegende Rechte auf ein Leben, auf Freiheit und auf körperliche wie psychische Unversehrtheit zu geben. Genau dies fordert das „Great Ape Projekt“!

 

Im September 2014 wechselten zwei junge Gorilladamen die Zoos. HABIBU kam aus der Schweiz nach Nürnberg. Gorilla KIKI verließ den Heidelberger Zoo in Richtung Belgien.

Zwei Entscheidungen die das EEP völlig richtig traf. Beide Tiere sind in den jeweiligen Zoos geboren. Inzest mit den Vätern drohte. Im Fall von HABIBU war ihr Vater einige Zeit sehr krank. Sowohl für sie als auch Vater N’GOLA hätte das Einsetzen der Pubertät Stress verursacht. HABIBU hat durch das Aufwachsen in der Gruppe mit Geschwistern und Muttertieren gelernt wie man mit seinesgleichen umgeht. Sie konnte sich sehr schnell in die Nürnberger Gruppe integrieren. Kleine Reibereien gibt es zwar, aber die sind völlig harmlos. Die Gruppe muss „die Neue“ ja erst einmal kennenlernen. Die Tiere regeln ihre Rangordnung selbst. Dennoch ist die Rolle der Tierpfleger sehr wichtig. Tierpfleger aus den jeweiligen Zoos mit den Eigenheiten der Tiere vertraut zu machen ist bei solchen anstehenden Transporten notwendig. Beide Tiere sind die Nähe von Menschen angewiesen.

Sehr wichtig ist hierbei die Rolle der Tierpfleger. Die richtige Balance zu finden, wann greife ich ein und deute ich das Verhalten der Tiere richtig. Hier gebührt in Nürnberg vor allem Tierpflegerin Ramona Such ein großes Lob. Auch viele andere Tierpfleger sind mit viel Liebe und vor allem auch Verstand bei den Tieren.

Die wichtigste Rolle bei der Eingewöhnung von HABIBU spielte jedoch kein Tierpfleger oder gar der Tiergarten Nürnberg selbst.

Besonders herausstellen möchte ich die Rolle von Silberrücken FRITZ.

 

Der Silberrücken wurde 1963 in Afrika geboren. Im Alter von 3 Jahren wurde er der Natur und seiner Familie gewaltsam entrissen. Mit zwei weiteren Artgenossen - PORGY & BESS ging es auf die Reise von Afrika in den Münchner Tierpark „Hellabrunn“. Dort wurde er von Menschenhand aufgezogen.

1970 wechselte FRITZ nach Nürnberg. 

Er zeugte in Nürnberg 6 x Nachwuchs mit 2 verschiedenen Gorilladamen in den 70iger Jahren. Keines seiner Kinder konnte FRITZ aufwachsen sehen. Seine Söhne leben mittlerweile in Spanien, Japan & China. Leider teils sogar unter erbärmlichen Verhältnissen, wie TONI in der Ukraine.

 

Sein damaliger Freund PORGY lebte weiterhin in München. Die Gefangenschaft im Zoo machte ihn aggressiv gegenüber Artgenossen und auch Menschen. Einigen Menschen gelang es dennoch eine sehr intensive Beziehung zu PORGY aufzubauen. 2005 verstarb PORGY in München. Die letzten 20 Jahre im Zoo verbrachte er alleine in einem kleinen Gehege mit gelegentlichen Aufenthalten auf einem kleinen Außengehege. Ein Schicksal, das die Söhne von FRITZ teilen. Alle 4 Söhne von ihm leben mittlerweile ohne Kontakt zu Artgenossen. 

 

Zurück aber zu FRITZ …

… er hat eine unglaubliche Persönlichkeit entwickelt

Seine Sozialkompetenz und auch Überlebenswille ist beispielhaft. Mit HABIBU hat er bereits die 3. sehr junge Gorillafrau in seine recht bunt zusammengewürfelte Familie integriert. Er ist der in Deutschland älteste Silberrücken.

 

Aber FRITZ hatte einfach Glück!

Denn auch ihm drohte in den 90iger Jahren ein Leben in „Einzelhaft“.

Er produzierte seit einigen Jahren keinen Nachwuchs mehr. Der Nürnberger Tiergarten versuchte sogar 1997 einen jüngeren Silberrücken einzugewöhnen. Doch die damals noch jungen Damen BIANKA, LENA und DELPHI konnten mit dem jungen Kerl nichts anfangen. Sie waren eher FRITZ zugeneigt. Nur weil seine Frauen einen jungen Gorillamann nicht akzeptierten, konnte FRITZ nach dem Ausbau der Anlagen in Nürnberg 1997 in die Gorillafamilie zurückkehren.

 

Leider decken sich nicht immer die Interessen der Zoos mit den Bedürfnissen der Tiere. In vielen Zoos steht noch immer die Wirtschaftlichkeit der Haltung von Primaten an erster Stelle. Es gibt teils sehr gute Ansätze (Frankfurt, Leipzig oder Rostock), doch viele Gehege entsprechen eben nicht den Anforderungen der Tiere. Es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere. Gerade in den Wintermonaten müssen die Tiere eng zusammenrücken. Stets sind sie den Blicken der Zoobesucher ausgesetzt.

 

Es gibt aber auch viele Zoologen, die den Tieren einfach „nicht gerecht werden“. Bis vor einigen Monaten hatte ich große Achtung vor dem Nürnberger Zoodirektor Dr. Dag Encke. Bei einer Versammlung der Tiergarten Nürnberg Freunde sagte er in die Runde, dass das größte Lebewesen nicht ohne dem Kleinsten überleben könnte. Diese Aussage hat mir sehr gefallen. Im September 2014 besuchte ich einen Vortrag von Esther Carlitz im Nürnberger Tiergarten. In diesem Vortrag ging es um die Stressforschung von Primaten. In der anschließenden Diskussionsrunde sagte Dr. Encke Folgendes:

„Manche Tiere sind nun einmal Loser und sie werden auch immer Loser bleiben“.

 

So lange Menschen dieser Ansicht sind, sind die Forderungen des "Great Ape Projektes" gerechtfertigt.