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LENA

 

Geboren 1977 in Kamerun/Afrika

 

LENA ist mein „persönlicher Liebling“. Das liegt an ihrer sehr eigenen Persönlichkeit. Sie neigt zur Eifersucht und viele ihrer Eigenheiten sind so komplex, dass sie vermutlich kaum ein Mensch begreift und ich wage zu bezweifeln das es ein Zoo je kann.

 

Das alles hängt mit der Lebensgeschichte von LENA zusammen. 1977 kam ein kleines Gorillababy aus Kamerun in den Zoo Saarbrücken. Das Baby war etwa 7 Monate alt.

Dank der Spenden und durch Vererbung des Vermögens von Lena und Elisabeth Mathis konnte der Zoo Saarbrücken sich Menschenaffen in Afrika besorgen.

 

Wenn man sich mit der Art beschäftigt, wie die kleinen Gorillas in Afrika gefangen wurden, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Gorillas verteidigen ihren Nachwuchs meistens mit der ganzen Familie. Die Mütter flüchteten auf Bäume und der Silberrücken versuchte die Angreifer abzuwehren. Die männlichen Tiere wurden mit Netzen überworfen und so gefesselt das sie den Angreifern machtlos gegenüber waren. Manchmal wurden sie auch mit Macheten getötet. Der Baum auf den sich die Gorillamutter geflüchtet hatte, wurde gefällt und das Baby aus ihren Händen geraubt. Viele dieser Babys wurden dann über französische Häfen in Kartoffelsäcken oder kleinen Kisten in alle Welt verschleppt.

 

Das kleine Gorillamädchen bekam den Namen LENA. Es wuchs mit einem weiteren Gorilla und einem Schimpansen auf. Hauptsächlich kümmerte sich Tierpfleger Jürgen Wüstner um die drei Menschenaffen. Schimpanse JIMMY erhielt mit den Jahren jedoch Artgenossen. So blieb LENA mit dem etwa 5 Jahre älteren BOULEMAN alleine. 1988 baute man erst eine Anlage für die beiden Gorillas. BOULEMAN zog mit LENA in den Heidelberger Zoo um, dort sollten sie mit zwei weiteren Gorillas aus Stuttgart vorerst das neugebaute Primatenhaus bewohnen. Nach dem Transport veränderte sich jedoch die Beziehung von BOULEMAN und LENA. Er biss LENA in die Schulter. Mit den beiden anderen Gorillas vertrugen sich LENA und BOULEMAN auch nicht. Beide Gorillas sind nämlich sehr groß gewachsen für Flachlandgorillas und die Stuttgarter waren ihnen körperlich völlig unterlegen. In den letzten Monaten in Heidelberg schliefen beide Gorillas aber in der gemeinsamen Schlafbox. BOULEMAN schnürte LENA förmlich ein. Er beschützte und bedrängte sie. 1992 kehrten beide Gorillas nach Saarbrücken zurück. BOULEMAN war inzwischen zu einem stattlichen Silberrücken herangewachsen. LENA verstand das nicht und versuchte sich der Umklammerung zu entziehen. BOULEMAN machte das so wütend und die Übergriffe auf LENA wurden immer brutaler. Sie endeten sogar damit, dass LENA fast ein Bein verloren hätte nach einer Auseinandersetzung. In einer aufwendigen Operation konnte dies jedoch verhindert werden.

 

Beide Gorillas wurden getrennt. BOULEMANN wurde innerhalb eines Jahres in 3 verschiedene Zoos gebracht und landete im Zoo von Shanghai/China. Dort lebt er alleine. LENA hatte es besser. Sie kam am 9. April 1997 in den Nürnberger Tiergarten.

 

Der Tiergarten Nürnberg hatte seine Gorillas ausgelagert wegen Umbau und Erweiterung der Anlagen. Man war in Begriff eine neue Gruppe dort aufzubauen. LENA sollte mit BIANKA und DELPHI einen Harem bilden für Gorillamann SCHORSCH. SCHORSCH hatte man 1994 nach Teneriffa gebracht in eine reine Männergruppe. Dort blühte der sehr sensible Gorillamann sichtlich auf. Er fühlte sich „unter Männern“ einfach wohler. 1997 holte man einen jungen Silberrücken namens YAOUNDE nach Nürnberg. Man versuchte eine junge Gruppe von Gorillas zusammenzuführen. Doch vor allem LENA machte es dem jungen Kerl sehr schwer. Sie stürzte sich auf ihn und verbiss sich. LENA entwickelte sich nämlich zum ranghöchsten Tier in Nürnberg. Nürnberg hatte zudem noch ein weiteres Problem und das hieß FRITZ & DELPHI. FRITZ und seine Lieblingsfrau waren auch während der Umbauphase teils in Nürnberg verblieben und in Hörweite von LENA, als die nach Nürnberg wechselte. LENA verstand sich sofort mit FRITZ und in DELPHI fand sie endlich ein Vorbild.

 

2001 verstarb DELPHI und die junge HAKUNA MATATA wechselte nach Nürnberg. Auch mit dieser Gorilladame verstand sich LENA sehr gut. Bei ihrem Weggang 2013 war LENA die, die Trauer über den Weggang empfand. Bei der Eingewöhnung von LOUNA hatte sie sich sogar auf die Seite von HAKUNA gestellt und Angriffe auf die junge Leipzigerin unterstützt. Als HAKUNA nach Budapest wechselte und man erneut LOUNA in die verbleibende Gruppe integrierte, entdeckte LENA die Beschützerrolle.

 

LENA & FRITZ sind ein Pärchen und wer denkt, dass LENA nach der Pfeife von FRITZ tanzt, der irrt sich gewaltig. Allein LENA bestimmt, wer ihr nahe kommen darf. Wenn LENA Lust hat, dann durfte FRITZ mit ihr kuscheln oder auch decken. Wenn LENA bestimmt, dass es nicht auf die Außenanlage geht, dann bleibt auch FRITZ im Innenbereich. LENA ist auch diejenige, die die Gruppe nach außen hin verteidigt. Sie ist ohne Zweifel das ranghöchste Tier in Nürnberg. Sie und FRITZ verständigen sich durch Laute. In den letzten Jahren zieht sich LENA sehr zurück. Sie ist lieber für sich alleine. Sie hat aber immer die Zoobesucher im Blick. Sie beobachtet uns Menschen sehr genau und ich frage mich, wer hier wen studiert. Die Körpersprache und Mimik ist bei LENA sehr ausgeprägt. LENA hat nie Kinder bekommen. 


Foto/Text: Heike M. Meyer