Gorillas in Zoos - Europa und Deutschland

In Europas Zoos herrschte lange Zeit Unkenntnis über die Lebensweise von Gorillas. 

 

Um 1800 begannen Europäer aus ihren Kolonien in Afrika Tiere zu importieren und stellten sie "zur Schau". 

 

Der Engländer George Wombwell präsentierte 1855 den "ersten Gorilla" in Europa. Wombwell vermarktete seine immensen Tierverluste damit, indem er die Kadaver an Tierpräparatoren verkaufte. 

 

Der erste Gorilla, der Europa lebend erreichte, war ein junges Weibchen namens JENNY. JENNY wurde 7 Monate in Mädchenkleidern zur Schau gestellt in "Wombwell's Travelling Menagerie". Da JENNY noch sehr jung und klein war, betitelte man sie als Schimpanse. 

 

1876 stellte der Berliner Zoo dann den ersten Gorilla in Deutschland vor. Der Berliner Zoo hatte das Tier für 20 000 Goldmark "erworben".

M'PUNGU wurde von zahlreichen Forschern und Zoologen in Europa "untersucht". Am 13. November 1877 verstarb M'PUNGU. Die Todesursache wurde nach der Obduktion mehrfach korrigiert. 

 

Am 30. März 1928 traf dann ein ca. 2 Jahre alter und 15 kg schwerer Gorilla aus Afrika im Berliner Zoo ein - BOBBY

BOBBY wurde ca. 9 Jahre alt und starb völlig verfettet am 1. August 1935. Noch heute ist BOBBY übrigens das Wappentier des Berliner Zoos. Eine Plastik von ihm wurde angefertigt und kann noch heute im Berliner Museum für Naturkunde besichtigt werden. 

 

In den späten 50iger Jahren bis in die 60iger Jahre hinein begann dann ein wahrer "Hype" auf Gorillas in Afrika. 

 

 

Gorillas wurden bei Tierhändlern regelrecht „in Auftrag gegeben“. Die Wilderei und Jagd auf Gorillas begann. Mit Hilfe der afrikanischen Bevölkerung wurden in ganz Afrika vor allem sehr junge Gorillas ihren Müttern "entrissen". Umschlagplatz für diese Tiere waren europäische Häfen. Gorillas wurden von dort aus in alle Länder "verschickt". Ab und an wurden Gorillas konfisziert oder auch von Reisenden entdeckt. 

  

Viele Gorillas ließen dabei ihr Leben. Gängige Methode bei der Jagd auf Gorillas war es, die Gorillafamilie auf Bäume zu treiben. Das Familienoberhaupt, der Silberrücken wurde getötet. Danach wurden die Bäume mit den restlichen Gorillas gefällt und die Jungtiere den Müttern entrissen. Viele Afrikaner sahen darin eine lukrative Möglichkeit an Geld zu kommen und betätigten sich gezielt bei der Jagd auf Gorillas.

 

Verantwortung oder gar Reue empfinden viele Zoos noch heute nicht.

So erwähnt der „VdZ“ ("Verband der Zoologischen Gärten e. V." *) noch heute mit keinem Wort, dass die zwei 1969 in den Kölner Zoo gekommenen Berggorillas „COCO und PUCKER“ über einen europäischen Tierhändler „in Auftrag gegeben wurden“. 

 

 

Die meist sehr jungen Gorillas wurden dann von Menschen aufgezogen. Dabei machte man kaum Unterschiede bei der Aufzucht aller Menschenaffen. Gorillas, Schimpansen und Orang Utans unterscheiden sich massiv im Verhalten, doch darauf nahm man keine Rücksicht.

 

Um in den Zoos später selbst Geburten präsentieren zu können, wurden die ausgewachsenen geschlechtsreifen Tiere einfach so eng zusammen gesperrt, dass es zwangsläufig zu Zeugungsakten kam. Das ganze nannte man dann Zucht. 

 

Seit etwa 1990 regelt nun ein "Europäisches Zuchterhaltungsprogramm" - das EEP die Koordination von Gorillas in Zoos. Auf Wildfänge ist man nicht mehr angewiesen.

 

Im Basler Zoo wurde am 23. September 1959 zum ersten Mal ein „Gorilla unter Menschenhand“ geboren. - GOMA

Mutter ACHILLA hielt man lange Zeit für einen männlichen Gorilla. GOMA wurde von Hand aufgezogen vom Basler Zoodirektor Ernst Lang und seiner Frau. GOMA konnte erfolgreich wieder in die Gorillagruppe integriert werden. Sie selbst brachte 1971 einen Sohn zur Welt, den sie sogar selbst aufzog. 

 

 

GOMA lebt noch heute in einer Gorillafamilie mit einem Silberrücken und Jungtieren im Basler Zoo. Im hohen Alter von 56 Jahren beteiligt sie sich sogar noch an der Erziehung von Jungtieren. 

 

Die Aufzucht von Gorillas aus den 60iger, 70iger und sogar noch in den 80igern bestimmte vor allem der Mensch. Man nahm vielen Müttern die Gorillababys weg und zog sie mit der Flasche auf. In Folge dessen hatten viele Gorillas es nie gelernt, wie man mit eigenem Nachwuchs umgeht. Nach der Geburt kümmerten sie sich nicht um ihre Babys.

Das führte dazu, dass ein "Gorillakindergarten" ins Leben gerufen wurde. Engagierte Tierpfleger bemühten sich, die Tiere nicht allzu sehr zu vermenschlichen. Die meisten der dort aufgezogenen Gorillas konnten inzwischen erfolgreich in neue Gorillagruppen integriert werden. Die Zahl von Müttern, die ihre Babys nicht annehmen ging in den letzten Jahren dadurch drastisch zurück. 

 

 

Der Basler Zoo in der Schweiz entdeckte als einer der ersten Zoos, wie wichtig es ist Gorillas zu beschäftigen. Der Zoologe Jörg Hess kam auf Einladung von Dian Fossey nach Ruanda und erforschte die „Mutter-Kind-Beziehung“ bei den Berggorillas. Diese Erkenntnisse begann er in ein Beschäftigungsprogramm zu integrieren und auf die Gorillas in den Zoos zu übertragen. Das sogenannte „Enrichment“ hielt Ende der 80iger Jahre Einzug in die europäischen Zoos. Mittlerweile lassen sich alle zoologischen Gärten in Europa oder den USA „etwas einfallen“ gegen die Langeweile im Zooalltag der „sanften Riesen“. 

 

Gorillas "unter menschlicher Obhut" werden inzwischen deutlich älter als ihre Artgenossen in der Natur. Aus den anfänglichen Fehlern in der Haltung von Primaten hat man seine Lehren gezogen. Leider kommt es aber noch immer zu vielen Fehlgeburten und unerklärlichen Todesfällen in frühen Jahren.

 

Paola Cavalieri und Peter Singer forderten 1994 zum ersten Mal „Grundrechte für Menschenaffen“. Sie kritisieren die Haltung von Primaten in Zoos. Sie plädieren, dass Primaten „intelligente Wesen mit einem reichen und vielschichtigen sozialen und emotionalen Leben sind“.

 

Bei meinen Zoobesuchen stelle ich immer wieder erstaunt fest, zu welchen "menschenähnlichen Emotionen" Gorillas in der Lage sind.

Sie trauern wie wir Menschen. Gorillas haben durchaus Humor. Sie fühlen sich in andere Artgenossen hinein. Sie gehen Zweckgemeinschaften ein. Manchmal versteht man sich auf Anhieb oder kann sich einfach "nicht riechen". Es gibt Tiere, die dominieren gerne oder man ist unterwürfig. Dabei ist es völlig egal ob man männlich oder weiblich ist. Jeder Gorilla hat eine eigene Persönlichkeit und unterscheidet sich im Wesen. 

 

Auf dieser Homepage finden Sie eine Auflistung aller Gorillas in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 

 

Die Haltung von Gorillas in Zoos wird immer "artgerechter". Nur noch wenige Zoos haben zum Beispiel kein Außengehege. Die Kritik an der Haltung von Gorillas will aber dennoch nicht abebben. 

 

Der Psychologe Colin Goldner stellte vor einigen Jahren bei seinen Besuchen in deutschen Zoos fest, dass die Tiere mit „Valium“ und anderen Psychopharmaka „behandelt“ werden. 

 

Trotz der Verbesserungen in der Haltung leiden viele Tiere an "massiven Ängsten". Sie verletzen sich selbst oder Artgenossen. Das Bestreben der Zoos sollte es sein, dass die Tiere sich vor allem von den Zoobesuchern zurückziehen können, wenn von ihnen gewünscht. Dazu bedarf es jedoch viele "marode Anlagen" zu sanieren.

 

Anfangs hielt ich den Neubau in der Stuttgarter „Wilhelma“ für nicht sehr gelungen. Aber in Stuttgart hat man bei den Gorillas genau dies versucht. Die Tiere können sich den Blicken der Besucher entziehen. 

Im Rostocker Zoo hat man zudem einer der modernsten Innen-Anlagen für Gorillas gebaut, um seinem einzig verbliebenen Gorilla ASSUMBO die Möglichkeit zu geben, doch noch in einer Gorillafamilie zu leben.

 

Die Haltung von einzelnen Gorillas, auch wenn sie optimal von Tierpflegern "betreut" werden, ist in meinen Augen grausam. FATOU im Berliner Zoo ist so ein Tier. Eine sterile Umgebung verlängert zwar das Leben eines Gorillas, erhöht aber nicht seine Lebensqualität.

 

Da mehr „männliche“ als „weibliche“ Gorillas in den Zoos geboren werden, sehe ich hier eine große Herausforderung auf die deutschen Zoos zukommen.

Bisher gibt es in keinem deutschen Zoo die Haltung von sogenannten „Junggesellen“.

 

Nach dem Tod von „ROTOUTU“ im Herbst 2014 hat man sich erstmals entschlossen zwei in der „Wilhelma“-Stuttgart „von Menschen aufgezogene Jungtiere“ in eine Gorillafamlie zu integrieren. Es bleibt noch abzuwarten, ob dies gelingt.  

Nach ROUTUTU's Ableben hat eine ältere Gorilladame den Part des Familienoberhauptes übernommen und ich glaube kaum, dass diese die beiden Halbwüchsigen in "ihrer Gruppe" akzeptiert. 

 

Eine sehr gute Entscheidung traf der Kölner Zoo 2015 nach dem Ableben von Gorilla KIM. Die Gruppe durfte sein jüngster Sohn übernehmen. KITO behauptete sich erfolgreich. Belohnt wurde dies bereits mit Nachwuchs. 

 

In der Haltung von Gorillas gibt es viele spannende Aufgaben zu bewältigen. Eine Auswilderung der Tiere ist leider nicht möglich.

 

Ziel sollte es sein, den Tieren eine „artgerechte“ Haltung in einer für sie besten Anlage (Rückzugsmöglichkeiten, Naturböden, Klettermöglichkeiten, …) zu ermöglichen, in der die Gorillas ihre Persönlichkeit ausleben können.

 

Einige Zoos in Deutschland und vor allem in Europa haben dies schon erkannt, andere sind auf einem guten Weg dahin. Leider „hinken“ aber auch zu viele Zoos  „meiner Meinung nach“ noch immer hinterher. 

* bis Juni 2014 nannte man sich "Verband Deutscher Zoodirektoren"

Text:

Heike M. Meyer

September 2016