Hier möchte ich die Geschichte der Gorillas in Zoos aufgreifen.

Wer sind die bekanntesten Tiere? Woher stammen sie?

Gibt es Kurioses über sie zu erzählen?

 

Alle Informationen sind im Internet der Öffentlichkeit zugänglich.

Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, so kontaktieren Sie mich unter:   

alienaeffchen@yahoo.de

 

Eine Haftung für den Inhalt aus anderen Quellen werden nicht übernommen.

Für "meine Meinung" stehe ich aber selbstverständlich ein.

 

Gorillas in Zoos - Europa und Deutschland

In Europas Zoos herrschten anfangs viele Missverständnisse und schlichtweg Unkenntnis, was Gorillas betraf. So war der vermutlich "erste Gorilla" in einem Europäischen Zoo gar kein Gorilla, sondern ein Schipansenweibchen namens JENNY.

JENNY wurde 1855 in der „Wombwell`s Travelling Menagerie“ vorgestellt.

 

1876 traf erstmals ein Gorilla in Deutschland ein. Man hatte ihn für 20 000 Goldmark für den Berliner Zoo erworben. Kurzfristig wurde er an den Zoo London und den alten Hamburger Zoo ausgeliehen. Er kehrte jedoch nach Berlin zurück, wo der kleine Gorilla am 13. November 1877 verstarb.

 

Am 30. März 1928 traf dann ein ca. 2 Jahre alter und 15 kg schwerer Gorilla im Berliner Zoo ein. Er hieß BOBBY.    

BOBBY wurde leider nur ca. 9 Jahre alt und starb völlig verfettet am 1. August 1935. Als Todesursache ermittelte man seitens des Berliner Zoos eine Blinddarmentzündung. BOBBY ist bis heute das Wappentier des Berliner Zoos. Noch heute steht eine Statue dieses Gorillas im Berliner Zoo.  

 

Im Basler Zoo wurde am 23. September 1959 zum ersten Mal ein „Gorilla in Menschenhand“ geboren. Das damalige Gorillakind „GOMA“ wurde jedoch nicht von ihrer Mutter „ACHILLA“, die man lange Zeit in Basel für einen männlichen Gorilla hielt aufgezogen. Der damalige Basler Zoodirektor Ernst Lang und seine Frau zogen GOMA bei sich zuhause auf. Bei GOMA gelang es zudem erstmals eine Handaufzucht wieder in eine bestehende Gruppe von Gorillas zu integrieren. Ihr Sohn TAM TAM kam 1971 zur Welt und wurde auch von GOMA angenommen. Er starb im Alter von 38 Jahren im Wuppertaler Zoo. GOMA lebt noch heute in einer Gorillafamilie mit einem Silberrücken und Jungtieren im Basler Zoo. Selbst im hohen Alter von 56 Jahren beteiltigt sich GOMA bei der Aufzucht von Jungtieren. Wesentlich jüngere Gorilladamen überlassen GOMA ihren Nachwuchs gerne, die in der Rolle der "Großmutter" aufzugehen scheint. 

 

In den späten 50iger Jahren bis in die 60iger Jahre hinein begann ein wahrer Hype auf Gorillas in Afrika. 

Viele Zoos, auch in Deutschland, wollten diese Tiere „zeigen“. Gorillas wurden bei Tierhändlern regelrecht „in Auftrag gegeben“. Sehr viele Gorillas wurden daraufhin in französischen Häfen konfisziert, ehe sie in alle Welt verschifft werden sollten. Zwei dieser Tiere leben noch heute im Krefelder Zoo.

 

Viele Gorillas starben bei der Jagd auf die Jungtiere. Gängige Methode war hierbei, die Gorillafamilie auf Bäume zu jagen. Das Familienoberhaupt, der Silberrücken wurde getötet. Danach wurden die Bäume mit den restlichen Gorillas gefällt und die Jungtiere den Müttern entrissen. Viele Afrikaner sahen darin eine lukrative Möglichkeit an Geld zu kommen und betätigten sich gezielt bei der Jagd auf Gorillas.

Verantwortung für den Kauf und die damalige Jagd auf Gorillas übernehmen Zoos auch heutzutage nicht. So erwähnt der „VdZ“ (Verband der Zoologischen Gärten e. V. - bis Juni 2014 nannte man sich Verband Deutscher Zoodirektoren) noch heute mit keinem Wort, dass die zwei 1969 in den Kölner Zoo gekommenen Berggorillas „COCO und PUCKER“ über einen europäischen Tierhändler „in Auftrag gegeben wurden“. 

 

Die meist sehr jungen Gorillas wurden von Menschen aufgezogen. Dabei machte man kaum Unterschiede bei der Aufzucht aller Primaten. Dabei unterscheiden sich Schimpansen, Gorillas und Orang Utans massiv im Verhalten und auch bei der Aufzucht ihrer Jungtiere. Um in den Zoos später selbst Geburten präsentieren zu können, wurden die ausgewachsenen geschlechtsreifen Tiere einfach so eng zusammen gesperrt, dass zwangsläufig es zu Zeugungsakten kam. Das ganze nannte man dann Zucht. So nennt sich die Koordination von Gorillas in Zoos noch heute "Europäisches Zuchterhaltungsprogramm" - EEP.  

 

Noch heute nehmen einige Gorillamütter ihre Kinder nicht an. Sie haben nicht gelernt von älteren Tieren mit ihren Kindern umzugehen.

 

Der Basler Zoo in der Schweiz entdeckte als einer der ersten Zoos, wie wichtig es ist Gorillas zu beschäftigen. Der Zoologe Jörg Hess kam auf Einladung von Dian Fossey nach Ruanda und erforschte die „Mutter-Kind-Beziehung“ bei den Berggorillas. Diese Erkenntnisse begann er in ein Beschäftigungsprogramm zu integrieren und auf die Gorillas in den Zoos zu übertragen. Das sogenannte „Enrichment“ hielt Ende der 80iger Jahre Einzug in die europäischen Zoos. Mittlerweile lassen sich alle zoologischen Gärten in Europa oder den USA sich „etwas einfallen“ gegen die Langweile im Zooalltag der „sanften Riesen“. 

 

Gorillas "unter menschlicher Obhut" werden inzwischen deutlich älter als ihre Artgenossen in der Natur. Aus den anfänglichen Fehlern in der Haltung von Primaten hat man seine Lehren gezogen. Leider kommt es aber noch immer zu unerklärlichen Todesfällen. 

 

Paola Cavalieri und Peter Singer forderten 1994 zum ersten Mal „Grundrechte für Menschenaffen“. Sie kritisieren die Haltung von Primaten in Zoos. Sie plädieren, dass Primaten „intelligente Wesen mit einem reichen und vielschichtigen sozialen und emotionalen Leben sind“.

 

Bei meinen Zoobesuchen stelle ich immer wieder erstaunt fest, zu welchen "menschenähnlichen Emotionen" Gorillas in der Lage sind.

Sie trauern wie wir Menschen. Gorillas lachen und haben durchaus Humor. Sie fühlen sich in andere Artgenossen hinein. Sie gehen Zweckgemeinschaften ein. Manchmal versteht man sich auf Anhieb oder kann sich einfach "nicht riechen". Es gibt Tiere, die dominieren gerne oder man ist unterwürfig. Dabei ist es völlig egal ob man männlich oder weiblich ist. Jeder Gorilla hat eine eigene Persönlichkeit und unterscheidet sich im Wesen. 

 

Mittlerweile leben in Deutschland an die 100 Gorillas in 15 Städten. Die meisten Tiere wurden in den Zoos geboren. Einige Tiere stammen noch aus Afrika. Inzwischen ist man zum Glück nicht mehr auf Wildfänge angewiesen. Auf dieser Homepage finden Sie eine Auflistung aller Gorillas in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 

 

Der in der letzten Zeit laut werdenden Kritik an der Haltung von Gorillas in Zoos wirkt man immer mehr, mit „artgerechterer Haltung“ der Tiere entgegen. Bis vor einigen Jahren behauptete man, man würde die Tiere nur mit „Kräutertees“ beruhigen. Der Psychologe Colin Goldner stellte bei seinen Besuchen in den Zoos jedoch fest, dass die Tiere mit „Valium“ und anderen Psychopharmaka „behandelt“ werden.

In der Tat leiden viele Gorillas in Zoos an „massiven Ängsten“ oder an Krankheiten wie Psychosen. Es kommt vor, dass sich Gorillas „selbst verletzen“ oder kinderlos bleiben (wollen). Nur in einer intakten Gorillafamilie ist es möglich eine erfolgreiche Aufzucht zu betreiben. Dazu zählt „meiner Meinung“ nach auch dazu, dass sich die Tiere zurückziehen können. So sollte es das Bestreben der Zoos sein, Gehege zu schaffen in denen die Tiere „für sich sein können“ - … also von sich aus auf die Zoobesucher zugehen.

 

Anfangs hielt ich den Neubau in der Stuttgarter „Wilhelma“ für nicht sehr gelungen. Aber in Stuttgart hat man bei den Gorillas genau dies versucht. Die Tiere können sich den Blicken der Besucher entziehen. Erfolg stellte sich sogleich mit der Geburt mehrerer Jungtiere ein, die sowohl aus älteren Tieren (Wildfängen) als auch im Zoo geborenen Gorillamüttern besteht.

Im Rostocker Zoo hat man zudem eines der modernsten Anlagen für Gorillas gebaut, um seinem einzig verbliebenen Gorilla die Möglichkeit zu geben in einer Gorillafamilie zu leben.

 

Die Haltung von einzelnen Gorillas, auch wenn sie optimal von Tierpflegern "betreut" werden, ist in meinen Augen grausam. FATOU im Berliner Zoo ist so ein Tier. Eine sterile Umgebung verlängert zwar das Leben eines Gorillas, aber nicht seine Lebensqualität.

 

Da mehr „männliche“ als „weibliche“ Gorillas in den Zoos geboren werden, sehe ich hier eine große Herausforderung für die deutschen Zoos. Bisher gibt es in keinem deutschen Zoo die Haltung von sogenannten „Junggesellen“, wie im Loro Parque in Spanien, in England oder inzwischen auch in Frankreich.

Nach dem Tod von „ROTOUTU“ im Herbst 2014 hat man sich erstmals entschlossen zwei in der „Wilhelma“-Stuttgart „von Menschen aufgezogene Jungtiere“ in eine Gorillafamlie zu integrieren. Nach ROUTUTU hat jedoch eine ältere Gorilladame den Part des Familienoberhauptes übernommen. Es bleibt noch abzuwarten, ob die Integrierung klappt.

 

In der Haltung von Gorillas gibt es viele spannende Aufgaben zu bewältigen. Eine Auswilderung der Tiere ist leider nicht möglich.

Ziel sollte es sein, den Tieren eine „artgerechte“ Haltung in einer für sie besten Anlage (Rückzugsmöglichkeiten, Naturböden, Klettermöglichkeiten, …) zu ermöglichen, wo sie ihre Persönlichkeiten ausleben können.

Einige Zoos in Deutschland und vor allem in Europa haben dies schon erkannt, andere sind auf einem guten Weg dahin. Leider „hinken“ aber auch zu viele Zoos in Deutschland „meiner Meinung nach“ noch immer hinterher. 

Text/Fotos:

Heike M. Meyer

April 2016